Das Tüßlinger Heimatmuseum
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Seit Oktober 2002 gibt es das Tüßlinger Heimatmuseum im historischen Bahnhof. Träger ist der Heimatbund Tüßling e. V. In einer Bauzeit von nahezu fünf Jahren wurde nicht
nur das Museum eingerichtet, sondern das inzwischen unter Denkmalschutz
stehende Tüßlinger Bahnhofsgebäude aus dem Jahre 1908 außen und innen
völlig renoviert. Dass dies in aktiver Eigenleistung der
Vereinsmitglieder und unterstützt durch großzügige Spenden aus der Bevölkerung
geschehen konnte, ist ein Zeichen engagierten Gemeinsinns der Tüßlinger
Bürger. Dabei wurde ein Aufwand im Gesamtwert von etwa 85 000 Euro
erbracht. Dabei war es, als man Ende 1997 ans Werk ging,
sozusagen bereits »fünf Minuten vor zwölf« gewesen, denn die Deutsche
Bahn war gewillt, das seit Jahren unbenutzte und äußerst desolate Gebäude
einfach abzubrechen. Dass dies nicht geschehen ist, ist nur dem
entschlossenen Handeln des Heimatbundes zu verdanken, der das Gebäude
kurz entschlossen von der Bahn pachtete. Mit der Instandsetzung hat man
aber nicht nur das Denkmalgebäude des Bahnhofs gerettet, sondern überdies
ein wertvolles Bauten-Ensemble in diesem Teil Tüßlings aufgewertet. Im
Bahnhofsviertel sind auch weitere Bauten geschmackvoll instand gesetzt
worden, etwa die sehr beeindruckende Jugendstil-Villa des Baumeisters
Andreas Giglberger, des Erbauers aller Bahnhöfe - auch des Tüßlingers -
an der damals errichteten Bayerischen Tauernbahn von Mühldorf nach
Salzburg. Zusätzlich zum Bahnhofsgebäude hat der Verein
rechtzeitig zur Eröffnung ein weiteres Gebäude nahe des Museums, diesmal
von der Schloss-Verwaltung Tüßling, für die Nutzung erhalten, nämlich
den ehemaligen Schloss-Stadel am Bahnhof. Dort wird die
landwirtschaftliche Sammlung des Vereins gezeigt. Im Museum im Bahnhof selbst befindet sich im
Erdgeschoss, dort wo einst der Schalterraum des Bahnhofs war, die Vor- und
Frühgeschichte des Ortes. Die vorwiegend bronzezeitlichen und römischen
Objekte in den Vitrinen belegen die lange Geschichte menschlicher
Besiedlung dieser Gegend. Auch mittelalterliche Schaustücke, wie
beispielsweise Spolien, die wohl ursprünglichen Gesimsstücke oder Teile
einer Innensäule der alten, 1725 abgerissenen Vormarktkirche waren, sind
hier ausgestellt. Die Wandtafeln in den Gängen erzählen 1275 Jahre Tüßlinger
Geschichte wie auch die Geschichte der Pfarrei Burgkirchen am Wald, der
die Marktgemeinde seit frühester Zeit angehört. Ein Teil des Ganges ist
der Geschichte des Tüßlinger Schlosses gewidmet. Neben einer Reihe von
Dokumenten werden hier die Wappen sämtlicher Adelsfamilien, die einst die
Herrschaft über Tüßling innehatten, gezeigt. Der einstige Betriebsraum des Bahnhofes ist dem
Handwerk und den Berufen vorbehalten. Hier dokumentiert eine gewaltige Fülle
an größeren und kleineren Objekten die zahlreichen, einst in unserer
Gemeinde ansässigen Berufe: Müller, Schmiede, Schuster, Schneider,
Maurer und Zimmererleute aber auch Bader und Ärzte sind hier vertreten. Im Anschluss daran dient der ehemalige Gepäckraum
heute als Ausstellungsraum für bahnbezogene Objekte und soll an die
Bedeutung der alten bayerischen Tauernbahn erinnern, die von Mühldorf über
Tüßling und Garching nach Salzburg führte und dort auf die österreichische
Tauernbahn traf. Schilder mit Reisezielen wie Graz oder Zador weisen
darauf hin, welch illustre Reisegesellschaften in der Frühzeit der
bayerischen Tauernbahn wohl unseren Ort passiert haben mögen. Handel und Gewerbe ist der Themenbereich, der im
ehemaligen Wartezimmer der 1. und 2. Klasse behandelt wird. Neben einer
nachgebauten Auslage aus vergangener Zeit trifft man verschiedene
emaillierte Reklametafeln, wie sie in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts üblich waren sowie eine Sammlung von Bierkrügen aus den
einst so zahlreichen Tüßlinger Brauereien und Gasthäusern an.
Waagentypen der verschiedensten Art und viele Gewichte belegen; dass der
Markt einst reich an Geschäften war. Ein Postschild, eine Postuniform und
ein Hinweis auf einen öffentlichen Fernsprecher sollen daran erinnern,
dass auch derartige, als modern geltende Einrichtungen von Anfang an in
der Gemeinde vertreten waren. Eine Münzenzählmaschine aus der Zeit
unmittelbar nach der Währungsreform zeugt davon, dass Tüßling auch
relativ früh über eine eigene Bank verfügte. Der größte und als letztes fertig gestellte Räum
des Erdgeschosses, der einstige Warteraum 3, Klasse und spätere
Fahrradeinstellraum, dient als Seminar- und Vortragsraum, wird, aber auch
für zeitlich befristete Ausstellungen und Dokumentationen genutzt. Im ersten Stockwerk erfährt der Besucher näheres über
das Leben und die Lebensgewohnheiten der Bürger und Bauern aus dieser
Gegend. In einer komplett eingerichteten Bauernstube und einem ebenfalls
voll ausgestatteten Zimmer mit bürgerlichen Wohnobjekten wird die
Lebensweise dieser gesellschaftlichen Gruppen dokumentiert. Auch ein
Zimmer zum Thema Kindheit und Schule wurde eingerichtet. Ein weiterer Raum
gibt Einblick in die Küche und die wichtigsten Haushaltsgeräte bzw.
Haushaltshilfen im Wandel der Zeit. Im Gang gibt es dann noch wissenswertes über die bürgerlichen
und bäuerlichen Kleidungsgewohnheiten, den Sport (vor allem den
Wintersport) sowie über die Volksfrömmigkeit in Tüßling und seiner näheren
Umgebung zu sehen, Andere, hier noch vorhandenen Räume sind der Öffentlichkeit
nicht zugänglich. Darin befinden sich unter anderem Archivmaterialien,
ein weiteres Depot für zusätzliche Ausstellungsobjekte, eine kleine
Bibliothek sowie das Sitzungszimmer der Vorstandschaft des Heimatbundes. Ebenfalls eingerichtet und zur Besichtigung
freigegeben ist das Untergeschoss des Bahnhofs mit seinem Luftschutzbunker
aus dem Jahre 1941. Dort ist, der räumlichen Situation angepasst, das
ausgestellt, was an die dunkelsten Kapitel des vergangenen Jahrhunderts
erinnert. Die hier gezeigte Ausstellung trägt den Titel: »Das 20.
Jahrhundert – ein Jahrhundert der Kriege, der Vertreibungen und der
Gewalt« und bringt in zwei Räumen eine Dokumentation der beiden
Weltkriege, ihrer Ursachen sowie ihres Verlaufs und der daraus
entstandenen Folgen. Dabei wurde versucht, weniger die allgemeine Politik
als vielmehr das menschliche Einzelschicksal in den Vordergrund zu
stellen, Man hat sich deshalb bei der Ausstellung bemüht, wo immer dies möglich
war, einen lokalen Bezug herzustellen und entsprechende Objekte zu präsentieren,
Zu sehen sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel neben einer
Rekonstruktion einer Gefechtstation an der Westfront mit Unterstand aus
der Zeit des Ersten Weltkrieges, Feldpostbriefe und Sterbebilder von
Kriegsteilnehmern aus Tüßling und Umgebung, verschiedene persönliche
Gegenstände wie Schaufeln, Stiefel, Gebetbücher oder Gasmasken. Aber
auch ein Löffel, der im KZ-Außenlager Mettenheim gefunden wurde, ein
Leiterwagen eines Heimatvertriebenen oder ein provisorischer Wegweiser für
die in Tüßling unter- gebrachte Einheit der US-Armee gehören zu den
Ausstellungsobjekten. Im Schlossstadel wird durch eine große Zahl von Geräten
und Maschinen die Entwicklung der Landwirtschaft unserer Heimat
dargestellt. So wird etwa die alte Art der Feldbearbeitung unter vielem
anderen durch eine Reihe hölzerner Pflüge, Eggen und
Einspann-Vorrichtungen für Ochsen und Pferde dokumentiert. Des weiteren
sind hier auch Werkstätten verschiedener Handwerksberufe zu sehen, die
besonders für die Landwirtschaft tätig waren, wie etwa Schmied, Wagner
oder Sattler. Das Museum ist jeweils am ersten Samstag des Monats von 14 bis 18 Uhr
bei freiem Eintritt geöffnet (April
bis November)
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