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24.09.2022
Bahnausbau Mühldorf - München und mehr
Geschrieben von Werner Holzner   
01.01.2008
Beitragsinhalt
Bahnausbau Mühldorf - München und mehr
Ausbau der Teilabschnitte
Elektrifizierung
Streik, Notfallkonzept und Sonstiges
Pressefahrt Wittenberge
Werk Wittenberge
Haben Sie Anmerkungen?

Der Kundenbeirat auf der Pressefahrt nach Wittenberge

Die SOB hat alle Mitglieder des Kundenbeirats eingeladen, eine Pressefahrt nach Wittenberge mit zu machen. Leider konnten nur zwei Beiräte dieser Einladung folgen, da zwischen der Einladung und der Fahrt nicht einmal  2 Wochen lagen. 

Wo liegt Wittenberge? Und warum muss man da hin? 

wittenberge_werkstafel_ausschnitt_klein Sicherlich fragen sich nun viele, warum die SOB zur Pressefahrt nach Wittenberge einlädt. Und wo liegt dieser Ort überhaupt?

Wittenberge liegt auf halben Weg zwischen Berlin und Hamburg. Von Berlin aus fährt man eine Stunde mit dem ICE Richtung Hamburg, allerdings gibt es dort keine Hochgeschwindigkeitsstrecke.  Interessant ist die Stadt vor allem wegen dem DB Werk, das als Kompetenzzentrum für Reisewagen deutschlandweit die Fahrzeuge instand hält. Dabei ist die DB AG mit ihren Regionaltöchtern - wie es die SOB eine ist - nicht der einzige Bahnbetreiber, der hier seine Wagen warten und ausbessern lässt.

Nachdem die SOB gerade alle alten Doppelstockwagen genau in diesem Werk mit Klimaanlagen nachrüsten ließ und bis Mitte 2009 diese Wagen einem kompletten Redesign unterziehen will, wollte die SOB hier zeigen, was dazu alles getan werden muss. 

Die Fahrt nach Wittenberge

ice_wittenberge Am Sonntag, 16.12.07 fuhren Herr Kraller, Herr Hagenberger, drei Vertreter der Presse und  zwei Kundenbeiräte nach München. Dort durften wir in einen ICE namens Wittenberge umsteigen. Wir waren ob der perfekten Organisation durch die SOB wirklich massiv erstaunt. Allerdings haben beide Offiziellen behauptet, das nicht so bestellt zu haben und die Organisation auch nicht selbst erledigt zu haben.

hbf_berlin_panoramaaufzug Nach 5 Stunden 30 Minuten hatten wir dann pünktlich um 17:00 Uhr den Hauptbahnhof in Berlin erreicht. Dieses wirklich imponierende Bauwerk durften wir in einer einstündigen Führung auch gleich besichtigen (siehe unten).

Am Montag 17.12.07 Morgen fuhren wir die Stunde nach Westen und besichtigten das Werk in Wittenberge. Dabei erhielten wir eine Präsentation der Aktivitäten im Werk und des Umbaus der SOB Wagen im Besonderen. Anschließend wurden wir durch das Werk geführt und konnten um kurz vor 14:00 Uhr wieder zurück nach Berlin fahren. Trotz einer Verspätung des ICE von Kopenhagen erreichten wir am Hauptbahnhof in Berlin gerade noch unseren Anschluss nach München. Dort stiegen wir in die SOB um und fuhren mit dem Zug gegen 21:30 Uhr nach Hause.

Der Hauptbahnhof in Berlin 

Die Besichtigung des erst in 2006 eröffneten Hauptbahnhofs in Berlin durch einen Führer war ein beeindruckendes Erlebnis. Die Bahn hat den ehemaligen Lehrter Bahnhof abgerissen und so ziemlich den größten Haltepunkt Deutschlands geschaffen. Es treffen an diesem sehr zentralen Punkt in Berlin zwei Trassen aufeinander.

hbf_berlin_bahnsteige_tief Eine Nord-Süd-Trasse wurde dafür extra neu geschaffen. Diese Trasse wir im 2. Untergeschoss mit 8 Gleisen an vier Bahnsteigen geführt.  Da sich diese Bahngleise alle im Untergeschoss befinden, ist der ganze Komplex eine große Halle. Bei herkömmlicher Bauweise würde der Lärm von ein- und ausfahrenden Zügen unerträglich sein. Deshalb wurde das komplette Gleis auf Beton gebaut und mit speziellen Gummipuffern extrem leise gelagert. Das führt dazu, dass man vom Rollgeräusch praktisch nichts mehr hört. Ein durchfahrender Zug zwei Gleise weiter verursachte auf diesem Weg nur den Lärm der Lokomotive und das Luftgeräusch. Vom Rollen war praktisch nichts mehr zu hören.

Damit die Halle und auch die Tunnel zur Ein- bzw.  Ausfahrt an beiden Enden der Haltestelle nicht zu hoch werden müssen, wurde von einer Schweizer Firma spezielle Oberleitungen an Schienen gefertigt. Diese erlauben einen wesentlich geringeren Abstand von der Decke als herkömmliche Oberleitungen ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Das wurde nach einem schweren Ringen vom Eisenbahnbundesamt bestätigt. Aber noch sind diese Oberleitungen in Deutschland einmalig.

hbf_berlin_brueckenstuetze_obenDie Ost-West-Trasse existierte immer schon an dieser Stelle. Sie liegt jetzt im 2. Obergeschoss und beinhaltet neben 6 Fernverkehrs Gleisen auch zwei S-Bahngleise. Es liegt ein Niveauunterschied von 27 Metern vor. Die Ost-West-Trasse beschreibt ausgerechnet an diesem Punkt eine lang gezogene Kurve, so dass die Bahnsteige oben ebenfalls in einer Kurve liegen und nicht von der Lok aus komplett eingesehen werden können. hbf_berlin_brueckenstuetze_untenEs wurden spezielle Aussichten notwendig, die bei der Abfertigung der Züge von den Bahnsteigen aus die Lokführer unterstützen.

Nachdem eine Anforderung an den Architekten ein maximaler Umsteigeweg von 400 m war - man bedenke, dass ein doppelter ICE bereits 400 m lang ist - und eine weitere Anforderung war, dass Tageslicht in das Untergeschoss fallen soll, führten zu einer wirklich beeindruckenden Brückenkonstruktion innerhalb des Gebäudes. Die Bahngleise im Obergeschoss mussten auf eine Brücke gestellt werden, deren Pfeiler bis auf die Bahnsteige der im Untergeschoss freitragend reichen. Jeder Pfeiler besteht aus vier stahlummantelten speziell einschlussfrei gefertigter Betonsäulen, die ständig Laser gesteuert überwacht werden. Diese Steuerung ist in der Lage, Schwankungen, die aufgrund der Belastungen oder aufgrund von Temperaturschwankungen auftreten, im Sockel der Säule auszugleichen. Damit ist zu jeder Zeit ein Maximum an Sicherheit gegeben.

hbf_berlin_anzeigentafelNeben all den baulichen Maßnahmen besticht der Bahnhof aber auch durch eine Menge von Technik und Informationsmöglichkeiten. Bei allen Panoramaliften und allen Rolltreppen findet man Bildschirme, die die nächsten Züge der erreichbaren Gleise zeigen. Zusätzlich finden sich noch mehrere große Anzeigen, die ein Übersicht aller Züge mit ihren Gleisen zeigen. Diese massive Informationsvielfalt ermöglicht jedem Fahrgast sich im Bahnhof zurecht zu finden, auch wenn man das erste Mal dort ist.

Der Bahnhof ist eine echte Sehenswürdigkeit der Hauptstadt. Irgendwie beschleicht einen nur das Gefühl, dass man vieles aber auch einfacher und damit um ein gutes Stück billiger hätte machen können. Das eingesparte Geld wäre für den Erhalt und / oder den Ausbau des Bahnnetzes in den alten und / oder den neuen Bundesländern sehr nützlich gewesen. Ein echter Knackpunkt in allen Baumaßnahmen ist und bleibt die Finanzierung bzw. die knappen Mittel. Meist könnte alles wesentlich schneller gemacht werden, wenn es finanziert werden könnte! Aber dann wäre dieser Artikel so nicht geschrieben worden. 

Sollten Sie nach Berlin kommen und etwas Zeit übrig haben, dann lohnt sich eine Besichtigung des Bahnhofs in jedem Fall!



Letzte Aktualisierung ( 23.05.2008 )
 
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