HITLER - BUDDHA - KRISHNA

Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute

 

FRONT | INHALT | MEDIEN | INTERVIEWS | DEBATTE | LITERATUR | LESERBRIEFE | ARCHIV | HOME

 

 

 

Debatte

 

ZEN, SAMURAI und FASCHISMUS

                                                                                                 

Das HAGAKURE – Katechismus des japanischen Samurai-Kultes

 

Zen, Nationalismus und Krieg, eine unheimliche Allianz 

 

Wie ZEN den Faschismus veränderte

 

Das HAGAKURE

Katechismus des japanischen Samurai-Kultes

 

In „Hitler-Buddha-Krishna“ erörtern wir ausführlich die Faszination, die der japanische Samurai-Kult auf die SS und Heinrich Himmler ausgeübt hat. In diesem Kontext kommen wir auch auf das HAGAKURE von Tsunetomo Yamamoto, dem Klassiker der Samurai-Kaste aus dem 18. Jahrhundert, zu sprechen.  Auszüge des HAGAKURE wurden im Dritten Reich im nationalsozialistischen "Nordland Verlag" publiziert (1937 in Inazo Nitobes Buch Bushido – Die Seele Japans).  Das Samurai-Handbuch fordert die absolute Treue gegenüber dem Fürsten, die Bereitschaft, bedingungslos für ihn zu sterben und ihm im Tode durch seppuku (Selbstmord)  nachzufolgen. In den Jahren 2000 und 2001 veröffentlichte der Münchener Piper Verlag den Text. Der Herausgeber der deutschen Ausgabe, Guido Keller, schreibt zu unserer Auseinandersetzung mit dem HAGAKURE:

 

Die Trimondis alias Röttgens sind Demagogen und haben keine Ahnung. Unfassbar, welche Lügen und Falschaussagen sich die Röttgens in Bezug auf das HAGAKURE erlauben. Dieses Buch erschien zuerst in meinem ANGKOR VERLAG und dann in Lizenz bei Piper. Und zwar im Jahr 2000, Band 2 im Jahr 2001. Der Text stammt aus dem 18., nicht dem 17. Jahrhundert. Er ist weder voll "menschenverachtender Brutalität", sondern, wie eine eigens dafür gegründete "Hagakure Society" seit vielen Jahren in ihren Schriften und Büchern aufweist, voller tiefer Weisheit und Ethik. Das HAGAKURE bildete auch nicht die "Grundlage für den Shinto-Faschismus", vielmehr steht der Autor Yamamoto in der Zen-Tradition, wie der Inhalt und das Zitieren seines Zen-Lehrers belegen. Das Buch wurde lediglich in einer Hinsicht, als Training zur Angstfreiheit vor dem Tod, den Kamikaze-Fliegern empfohlen. Gerade in dieser Hinsicht ist es in Friedenszeiten, in denen es übrigens auch geschrieben wurde, auch heute noch ein guter Ratgeber, denn wer würde bezweifeln, dass Menschen, die keine Angst mehr vor dem Tod haben, ein wirklich erfülltes Leben erst führen können? Auch dass die Publikation in Japan bis in die 80er Jahre verboten war, ist falsch. Die englische Übersetzung aus dem Hokuseido Verlag stammt sogar schon von 1980. Den Beweis, dass 52.000 deutsche Übersetzungen unter den Nazis kursierten, bleiben die Autoren ebenfalls schuldig. Wo sollen die alle abgeblieben sein? Das HAGAKURE preist auch keinesfalls den Krieg als Selbstzweck, sondern weist den Weg zu einem moralischen Kriegerdasein. °

 

Dieses Buch als den „Weg zu einem moralischen Kriegerdasein“ anzupreisen, sehen wir als reinen Hohn. Aber es ist ja hinreichend bekannt, wie alle Kriegerkasten dieser Welt ihre eigenen Grausamkeiten, Brutalitäten und Schandtaten als höchst „moralisch“ einschätzen und wahrscheinlich auch davon überzeugt sind. Für einen an humanpolitischen Werten orientierten Menschen muss das HAGAKURE als eine abstoßende, a-moralische, menschenverachtende und zynische Verherrlichung archaischer „Kriegerriten“ angesehen werden:  Ein Schnitt in die Lymphgefäße der Leiste gilt als Einstieg in das Männerdasein. Man schämte sich – so der Text – seine Brust anderen zu zeigen, wenn man keine Narben darauf hatte und brachte sich deswegen selber welche bei. Als "verweiblichter Mann" galt derjenige, der Probleme dabei empfand, einem Verbrecher, dem die Hände gebunden waren, den Kopf abzuschlagen. Krieg um jeden Preis wird gefordert, der Krieg wird zum „Selbstzweck“ erhoben: "Ein Mann von großer Tapferkeit denkt nicht an das Ende eines Kampfes; er stürzt sich leidenschaftlich in den Rachen des Todes, wobei sein wahres Selbst sich in seiner Geisteshaltung offenbart." – Oder: "Der Weg des Samurai verlangt, dass er kopfüber in seinen Feind hineinstürmt, sogar blindlings." – Oder: "Wenn euer Schwert in einer Schlacht zerbricht, kämpft mit euren Armen; wenn eure Arme abgeschlagen werden, ringt euren Gegner mit euren Schultern nieder; wenn eure Schultern verletzt sind, könnt ihr immer noch mit euren Zähnen kämpfen." Oder: "Wenn es dazu kommt, einen anderen zu erschlagen, dann stelle keine rationalen Überlegungen an. [....]  So etwas vernichtet den rechten Zeitpunkt, schwächt Deine Entschlusskraft  und endet wahrscheinlich damit, dass du den Gegner gar nicht erschlägst. Der Weg des Samurai erfordert sogar, dass du verzweifelt und blind vorpreschst." Oder: "Es ist mir unerträglich, in Widerspruch zu meinem Kriegergeist im Bett zu sterben. [....] Denn nichts ist befriedigender, als in einer Schlacht getötet zu werden." Der Text verlangt, "die eigene Frau erschlagen, wenn sie Ehebruch begeht."  Auch wird hier die körperliche Liebe mit einer Frau als die "größte Wahnidee der Menschheit" angesehen. Morbide Todesmystik und zynische Lebensverachtung gelten als hohe Religiosität und Tugend: "Stell dir jeden Morgen aufs neue vor, dass du bereits tot bist." Oder: "Wenn du nicht weißt, ob du sterben oder leben sollst, dann stirb." Oder: "Die geheime Formel lautet daher, stets auf den Tod lauern und entschlossen zu sein, in jedem Moment sterben zu können." Die philosophische Essenz  des Hagakure wird von dem Text selber in einem Satz zusammengefasst, der lautet: "entschlossenes Handeln am Rande des Wahnsinns"

 

Selbst in der Ausgabe des Piper Verlages ist in dem apologetischen Nachwort von Takao Mukoh zu lesen, wie dieser Leitfaden für ein „entschlossenes Handeln am Rande des Wahnsinns“ nach dem Zweiten Weltkrieg bei den Japanern auf schärfste Ablehnung stieß: „Kein Buch wurde in Japan seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr verdammt als das HAGAKURE, weil es als Mittel missbraucht worden sein soll, die japanische Jugend zu ermutigen, sich in der verzweifelten Endphase des Krieges blind in den Tod zu stürzen, und zwar durch die klassische Stelle: ‚Bushido, der Weg des Samurai, so habe ich herausgefunden, liegt im Sterben. – Während des Zweiten Weltkriegs wurde dann die Theorie des Sterbens zum Vorteil des Militärs benutzt, das junge Piloten in den sicheren Tod schickte.“ (Bd. II 151, 172)

 

Da der „Weg des Samurai“ (Bushido) die Kriegerethik  der modernen japanischen Armee schon seit Beginn der Meiji Periode bestimmte und auch während der 30er Jahre und im zweiten Weltkrieg von den japanischen Militärs propagiert wurde, bildete er eine wichtige ideologische Grundlage für die Kriegspädagogik des Shinto-Faschismus. Wenn das HAGAKURE (wie auch wir in unserem Buch schreiben) wesentlich aus der Zen-Tradition stammt, beweist das nur wie eng diese buddhistische Schulrichtung bei der Ideologiebildung des japanischen Faschismus mitgewirkt hat. Auf die unheimliche Allianz zwischen Zen und Faschismus gehen wir ausführlich in „Hitler-Buddha-Krishna“ ein und zeigen unter anderem die enge Kooperation von Daisetz Teitaro Suzuki mit dem japanischen Generalstab auf.

 

Wir schreiben in „Hitler-Buddha-Krishna“ an keiner Stelle, dass das HAGAKURE in der SS mit 52.000 Exemplaren verteilt wurde. Verteilt wurde ein Jubel-Büchlein auf die Samurai von Heinz Corazza „Die Samurai – Ritter des Reiches in Ehre und Treue“, das vorher als Fortsetzungsserie in der SS-Hauszeitschrift  Schwarzes Korps erschienen war. Himmler hatte dazu ein Vorwort verfasst.

 

Aus der SS-Broschüre zum Samurai Kult

 

Wenn der Piper-Verlag dieses „Killer-Buch“ für japanische „Gotteskrieger“ auf dem Klappentext als „spirituellen Leitfaden für den beruflichen und privaten Erfolg auch in der heutigen Welt“ anpreist, dann wundert einen die derzeitige Entwicklung auf unserem Planeten nicht mehr.

 

PS. Auf der Homepage www.angkor-verlag.de antwortet Guido Keller auf unseren Diskussionsbeitrag. Wir haben das Thema weitgehend in „Hitler-Buddha-Krishna“ abgehandelt und werden nicht mehr detailliert darauf antworten. Für uns sind sogenannte „Heilige Texte“, die den Krieg als solchen verherrlichen, ob sie nun Bhagavadgita oder Shri-Kalachakra oder Hagakure heißen, grundsätzlich verwerflich und in der jetzigen Weltsituation höchst gefährlich. Die angeblichen altruistischen Vorstellungen, die Keller dem Hagakure und der Samurai-Philosophie unterstellt, sind weder durch die Quellentexte noch durch die Geschichte gerechtfertigt. Diesem deutschen „Samurai-Schwärmer“ geht es offensichtlich ganz allgemein um die Renaissance einer weltweiten Kriegermentalität. Auf den Satz, dass im Hagakure das Dreinschlagen ohne jegliche taktischen Erwägungen gefordert wird und dass dies an die „unbedingte Kampfeswut“ der Berserker in der nordischen Mythologie erinnert, antwortet Keller zustimmend: „Ich meine ja auch, Germanen und Wikinger und wie sie alle in unserer Nähe hießen, sie hatten etwas, was Europäern heute weitgehend zu fehlen scheint – extremen Kampfgeist.“ Solch verhängnisvolle Wahlverwandtschaften veröffentlicht Keller auf seiner Homepage unter der Rubrik: „Weisheit pur“. – Nein Danke!

© Victor  & Victoria Trimondi

 

Brian Daizen A. Victoria - Zen, Nationalismus und Krieg, eine unheimliche Allianz - Berlin 1999

 

Brian Victorias zeigt in seinem Buch wie eng Zen und Bushido mit dem japanischen Faschismus und dessen Kriegsideologie verwoben war. Victoria beginnt sein Buch mit einem Zitat Adolf Hitlers: "Wir haben eben überhaupt das Unglück, eine falsche Religion zu besitzen." - soll der Diktator gesagt haben. - "Warum haben wir nicht die der Japaner, die das Opfer für das Vaterland als das Höchste ansieht." Diese Aussage beschwört eine historisch brisante Tatsache: Nicht nur der Shintoismus sondern auch der japanische Buddhismus waren gekennzeichnet durch eine militaristische und auf einem krassen Feindbilddenken aufbauende Weltanschauung. Mit ganz wenigen Ausnahmen des buddhistischen Widerstandes (die Victoria hervorhebt) haben sich die japanischen Buddhisten zum faschistischen System ihres Staates bekannt und zwar von der Frühphase bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Sogar eine im Westen so unangefochtene Autorität wie D. T. Suzuki rechnet dazu. Kaum eine buddhistische Persönlichkeit (der Soto-Schule, der Rinzai-Schule, der Shin-Schule, der Nichiren-Schule), welche nicht ihre religiösen Vorstellungen dem herrschenden System mit Begeisterung angeglichen hätte. "Krieger Zen" - "Die Einheit von Zen und Schwert" - "Buddhismus des kaiserlichen Weges" - "Reichs Zen" - "Soldaten Zen" - "Samurai-Zen" - waren damals die Schlagworte der damaligen Zeit. Nach dem Kriege wird die martialische Haltung der buddhistischen Schulen nur zögernd aufgearbeitet. Sie überlebt teilweise und geht in die in die Ideologie des japanischen "Unternehmens Zen" ein.

 

Aber Victoria sucht tiefer nach den Wurzeln des "Kriegs Zen" und findet schon im ursprünglichen Buddhismus kriegerische Elemente. Er verweist auf die ambivalente Rolle des Kaisers Ashoka, der keineswegs - wie vielfach angenommen - nur ein erleuchteter Friedensfürst war und er zitiert mehrere kriegerische Passagen aus verschiedenen Sutren (Suvarnaprabhasa-Sutra; Upayakaushalya-Sutra; Mahaparinirvana-Sutra) Victoria' s Buch zeigt wie leicht der Buddhismus für eine Kriegsideologie benutzt werden kann und benutzt wurde. Sein Werk ist deswegen ein wichtiges Aufklärungsbuch, das die Buddhisten in die historische Verantwortung nimmt.

 

Ausgehend von einer konsequenten Kritik der Geschichte sieht Victoria die bewusste Rückkehr zur ursprünglich pazifistischen Lehre des Buddha (die strikte Einhaltung des Tötungsverbotes), die klare Trennung von Sangha und Staat und die soziale Ausrichtung des "engagierten Buddhismus" als Alternative zu einer undifferenzierten Übernahme von buddhistischen Ideen.

 

Was uns bei seiner Analyse fehlt, ist die Auseinandersetzung mit der Geschlechterthematik. Es fällt auf, dass in dem ganzen Werk keine einzige Frauengestalt thematisiert wird. Das mag der historischen Wirklichkeit durchaus entsprechen, es lässt jedoch die Frage aufkommen, ob nicht gerade das Ausschalten allen Weiblichen die Ursache für die Kriegermentalität des Buddhismus darstellt und ob eine Reform dieser Religion gar nicht möglich ist, wenn sie sich nicht primär der Geschlechterfrage stellt.

© Victor & Victoria Trimondi

 


Lopez, Jr. Donald S. (Hrsg.) - Curators of the Buddha - The study of Buddhism under colonialism - Chicago 1995 Auch in dieser Anthologie gibt es einen Aufsatz über den Zen Buddhismus und dessen Verhältnis zum japanischen Faschismus (Robert H. Sharf). Ein weiterer Artikel berichtet von der Faszination, die der italienische Faschismus auf den "Größten" aller Tibetologen, Guiseppe Tucci, ausgeübt hat und wie Tucci versuchte, östliche und faschistische Ideen miteinander zu komplementieren. (Gustavo Benavides - Giuseppe Tucci, or Buddhology in the Age of Fascism)

 

„Wie Zen den Faschismus veränderte“

Am 22. 01. 03 fand im Audimax der Technischen Hochschule München  eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Wie Zen das Christentum verändert“ statt. Die beiden Referenten waren Prof. Dr. Michael von Brück, Institut für Religionswissenschaft, LMU München und Pater Willigis Jäger, OSB, Zen-Meister und Kontemplationslehrer. Veranstaltet wurde der Auftritt von der Evangelischen Stadtakademie München. Bei dieser gut besuchten Veranstaltung war, wie schon so oft bei früheren Auftritten von Michael von Brück, viel von der Begegnung und dem gemeinsamen Kern der Religionen die Rede, von den angeblichen Parallelen zwischen christlicher und zen-buddhistischer Meditation. Dagegen stellten die Referenten die Intoleranz der Katholischen (Amts-) Kirche, die den Benediktiner-Pater und Zen-Meister Willigis Jäger im Jahre 2001 aus theologischen Gründen mit einem Auftritts- und Publikationsverbot belegt hatte.

 

Nicht nur Theologen, sondern auch Humanisten und Demokraten haben zahlreiche Gründe, sich kritisch mit der Zen-Religion und ihrer Geschichte auseinander zu setzen. Kaum bekannt ist die enge Verflechtung des Zen und vieler Zen-Patriarchen aus dem vorigen Jahrhundert mit dem Shinto-Faschismus. Zen-Praktiken und Zen-Anschauungen bildeten die spirituelle Grundlage für eine der konsequentesten und grausamsten „Krieger-Religionen“ der Welt, den Samurai-Kult, der unter dem japanischen Militarismus eine spektakuläre Renaissance erlebte. Noch weniger weiß man, dass dieser vom Zen geprägte Krieger-Kult in Hitlers SS und in Himmlers SS-Ahnenerbe als ideologisches Vorbild diskutiert wurde.

 

Weshalb die enge „Zen-Faschismus-Connection“ von katholischer Seite in der „Willigis Jäger Kontroverse“ nicht aufgegriffen wird, dürfte unter anderem seine Gründe in der eigenen Vergangenheitsbewältigung mit dem Nationalsozialismus haben. Dennoch bestehen im Verhältnis der Katholischen und Evangelischen Kirche und der verschiedenen Zen-Sekten zum faschistischen Staat wesentliche Unterschiede. Die antikirchliche Orientierung des Nationalsozialismus lief letztlich auf eine Vernichtung bzw. „Arisierung“ des Christentums hinaus und es gab neben der Kollaboration einen bedeutenden christlichen Widerstand gegen das Nazi-Regime. Der Zen-Buddhismus ist dagegen, nachdem er die Göttlichkeit des Tennos anerkannt hatte, zu einer tragenden religiösen Säule des Shinto-Faschismus geworden. Alle 13 Schulrichtungen des japanischen Buddhismus (darunter die Soto-Schule, die Rinzai-Schule, die Shin-Schule und die Nichiren Schule) haben sich dem faschistischen System Japans nicht nur bedingungslos untergeordnet, sondern haben aktiv und effektiv zur Entwicklung des grausamen, todes- und lebensverachtenden japanischen Krieger-Codex beigetragen. Hinter den Kamikaze-Flügen 16jähriger Jugendlicher steht die Zen-Philosophie des Bushido.

 

Der Zen-Buddhismus besitzt die Fähigkeit, sich allen politischen und religiösen Systemen anzupassen. „Er kann sich“ – so der im Westen bekannteste Zen-Philosoph Daisetz Teitaro Suzuki – „mit anarchistischen oder faschistischen, kommunistischen oder demokratischen Idealen, mit Atheismus oder Idealismus, mit jedem politischen oder wirtschaftlichen Dogma befreunden.“ – also auch mit dem Christentum oder mit dem Kapitalismus. Diese Flexibilität komme daher, so westliche Vertreter der  östlichen Philosophie, dass es sich im Falle des Zens um eine „gegenstandslose Meditation“ handele. Suzuki dagegen ist deutlicher, wenn er offen erklärt, die Kräfte des Zens könnten manchmal „teuflisch“ sein und diese Religion stehe jenseits „moralischer“ Überlegungen.

 

Es ist nicht zuletzt dieser A-Moralismus, der den Zen-Buddhismus für faschistische Ideologen in Japan, Deutschland und Italien besonders attraktiv gemacht hat. Suzuki selber entwickelte während des Krieges zusammen mit den faschistischen Militärs Japans eine Zen-Pädagogik, die den Soldaten das emotionslose Sterben und Töten beibrachte: „Das Soldatische, verbunden mit Mystik und dem Erhabensein über weltliche Belange, ist etwas, das Menschen von starker Willenskraft liegt. Hier entspricht der Zen dem Geist des Bushido - dem Weg des Kriegers.“ (Suzuki). Die folgenden Grundanschauungen machen der „Zenismus“ für totalitäre Militärgesellschaften besonders attraktiv: die totale Aufgabe des Ichs und der eigenen Persönlichkeit, die Negation der Seele, die bedingungslose Unterordnung unter den Patriarchen (Guru), die völlige Kontrolle über die eigenen Gefühle bis hin zur Emotionslosigkeit, im Bushido die Verachtung des Körpers, die Verherrlichung des Todes, der Krieg als Erleuchtungsweg und die absolute Treue gegenüber dem Gefolgsherrn.

 

Während des zweiten Weltkrieges stieß Bushido (der „Weg des Kriegers“) auf ein eminentes Interesse im Dritten Reich. Das Land wurde mit kulturellen Veranstaltungen und Publikationen (Filme, Bücher, Theaterstücke, Empfänge, Artikel, Vorträge, Ausstellungen, Fotoberichte), die den Samurai-Kult zum Inhalt hatten, geradezu überschwemmt. Heinrich Himmler  verfasste persönlich für eine Broschüre über die Samurai das Vorwort, worin er die Geistesdisziplin der japanischen Kriegerkaste als Vorbild für den eigenen „Orden“ pries. Er ließ dieses „Büchlein“ in einer Auflage von 52. 000 Exemplaren in der SS verteilen.

 

Unter ihrem damaligen Rektor Walther Wüst (1941-1945) war die LMU – München eine Hochburg  faschistischer Buddhismusrezeption. Asiatische Philosophien und Religionsmuster sollten die Grundlage für einen religiösen Nationalsozialismus mit der SS als heiligem Kriegerorden im Zentrum bilden. Der Orientalist Wüst, unter dessen Rektorat die Geschwister Scholl festgenommen und enthauptet wurden, war gleichzeitig der Kurator des berüchtigten SS-Ahnenerbes und dessen führender akademischer Kopf.

 

Zen wurde in Deutschland durch zwei mittlerweile weltbekannte Protagonisten eingeführt: Eugen Herrigel (1884-1955) und Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988). Beide agierten als hoch motivierte Nazis. Herrigel lehrte als Prorektor an der Erlanger Universität und bemühte sich in seinen Vorlesungen darum, den Nationalsozialismus als Weltanschauung aus der Philosophie abzuleiten. Noch in seinem nach dem Krieg erschienen Bestseller Zen und die Kunst des Bogenschießens schwärmt er, dass ein Samurai „von Tag zu Tag unzugänglicher für Erschreckendes“ wird, was angesichts der Tatsache, dass sich die SS vom Samurai-Geist hat inspirieren lassen, makaber klingt. Der jüdische Autor Arthur Koestler, der sich schon Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts kritisch mit dem Zen auseinander setzte, kam zu dem Schluss: „Zen strahlt immer eine Faszination für eine Kategorie von Leuten aus, bei denen sich Brutalität und Pseudomystizismus miteinander vermischen, angefangen von den Samurai über die Kamikaze bis hin zu den Beatniks. [….] Der Fall Herrigel [….] ist dafür typisch. Er war ein Starschüler unter den westlichen [Zen-] Konvertiten sowohl vor als auch nach seiner Nazikarriere.“

 

Graf Dürckheim, obgleich er jüdisches Blut in sich trug, arbeitete während des Krieges als Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes (Büro Ribbentrop) in Japan mit dem Auftrag, die „Grundlagen der japanischen Erziehung“ wissenschaftlich zu erforschen. Die Nazis waren an den Erziehungsmethoden, mit denen die Japaner damals die gesamte Gesellschaft durchmilitarisierten ebenso interessiert wie an ihren sakralen Meditations- und Bewusstseinstechniken. Dürckheim sollte hierzu die Materialien zusammenstellen. In Japan selber agierte er als Nazi-Aktivist. Ein Zeitzeuge berichtet: „Er war sozusagen ein Edelpropagandist von hohem intellektuellen Niveau, der durch das Land zog und den Nazismus und die Reichsidee predigte.“ 1942 veröffentlichte Dürckheim eine nationalsozialistische Propaganda-Schrift auf Japanisch mit dem (übersetzten) Titel Neues Deutschland – Deutscher Geist. In den 60er Jahren traf sich der Graf mit dem neofaschistischen Philosophen Julius Evola zum geistigen Austausch und übernahm von diesem die spirituellen Grundlagen für seine „initiatische Therapie“. In der Zen-Philosophie, die Dürckheim seit den 50er Jahren durch zahlreiche Bücher und Vorträge verbreitete, klingt immer  wieder die „soldatische Orientierung“ dieser Religion durch. Die „Aufarbeitung“ der eigenen NS-Vergangenheit fasste der deutsche Zen-Philosoph in dem nonchalanten Satz zusammen: „Ein Nazi war ich nicht, aber auch kein Anti-Nazi“.

 

In derselben Münchener TH, in der über „Zen und Christentum“ gesprochen wurde, lehrte ab 1919 General Karl Haushofer (1869-1946) das Fach Geopolitik. Fest steht, dass seine Theorien über die gewaltsame Eroberung von Großräumen Hitlers militante „Ostpolitik“ beeinflusst haben. Haushofer, der als Militärattaché Bayerns vor dem ersten Weltkrieg nach Japan geschickt wurde, verfasste ein Buch, in der er die Militarisierung der japanischen Gesellschaft und auch die vom Zen geprägte Samurai-Kultur als nachahmenswertes Vorbild  hinstellt. Hitler las dieses Buch, als er in Landsberg Mein Kampf verfasste und Einflüsse daraus sind im „Grundlagenwerk“ des Nationalsozialismus nachweisbar.

 

Veranstaltungen „Wie Zen das Christentum verändert“ reihen sich ein in eine Unzahl ähnlicher apologetischer Darbietungen, in denen der in den Westen importierte, boomende Buddhismus als friedfertige, tolerante und spirituelle Ergänzung oder gar als die Alternative zur („dekadenten“) westlichen Kultur herausgestellt wird. Dass er, wie alle anderen Religionen auch, seine Problemfelder hat, ist eine bekannte und gut dokumentierte Tatsache, die aber systematisch und mit einem nicht geringen Erfolg von Anhängern und Sympathisanten dieser östlichen Lehre, darunter ein beachtlicher Anteil von Akademikern, verschwiegen, geleugnet und zum Teil bewusst verfälscht wird. Die Adaption des Buddhismus durch faschistische Ideologen in Japan, Deutschland und Italien beruht nicht allein auf Fehldeutungen, ebenso wenig wie seine ungebrochene Attraktivität für den internationalen Neofaschismus. Gerade in seiner lamaistischen und zen-buddhistischen Variante gibt es Elemente, die sich als Bausteine für eine totalitäre Weltanschauung besonders gut eignen und die sich historisch schon „bewährt“ haben. Eine kritische, nüchterne und kenntnisreiche Kulturdebatte über die östlichen Lehren ist überfällig, denn die „Faszination-Buddhismus“ hat im Westen schon eine hybride Selbstgefälligkeit erreicht. Dabei erscheint es geradezu grotesk, dass vor allem engagierte Vertreter der christlichen Kirchen und liberale Publizisten sind, die aus Unwissenheit und Naivität die euphorische Buddhismus-Verbreitung fördern und sogar mit einem leidenschaftlichen Übereifer den östlichen Glauben gegen jegliche Kritik verteidigen.

© Victor & Victoria Trimondi

 

Kritische Literatur zum Zen-Buddhismus: Victor & Victoria Trimondi – Hitler-Buddha-Krishna – Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute – Wien 2002; Brian Victoria – Zen, Nationalismus und Krieg – Eine unheimliche Allianz – Berlin 1999; Arthur Koestler – Von Heiligen und Automaten – Berlin 1961

 

 

 

© Copyright 2003 – Victor & Victoria Trimondi

The contents of this page are free for personal and non-commercial use,
provided this copyright notice is kept intact. All further rights, including
the rights of publication in any form, have to be obtained by written
permission from the authors.