|
Kriege,
Endzeitschlachten und Weltuntergänge im Lamaismus
Buddha gegen Allah
Bisher
haben wir noch nicht erwähnt, wer genau im buddhistischen Armageddon-Krieg
die Gegner des zornigen Raddrehers, Rudra Chakrin, sind. Der Kalachakra
Text gibt folgende Auskunft darüber: „Adam, Noah, Abraham und die
fünf anderen – Moses, Jesus, der im weißen Gewand, Mohammed und der Mahdi –
ausgestattet mit tamas, stammen von der asura-naga Kaste. Der
Achte wird der Geblendete sein. Der Siebente wird offenkundig in die Stadt
Bagdad kommen im Lande Mekka, der Platz in der Welt, wo ein Teil der
Asura-(Kaste) die Gestalt der machtvollen, gnadenlosen mlecchas annehmen
wird.“ (Shri Kalachakra I:
154) Genannt werden somit die wichtigsten Repräsentanten aller drei
monotheistischen Religionen Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus, Mani,
Mohammed und der Mahdi, die allesamt der „Familie der dämonischen Schlangen“ angehören. (1)
Klar und eindeutig prophezeit das Kalachakra-Tantra einen
apokalyptischen Krieg zwischen dem islamischen und buddhistischen
Kulturkreis. Buddhisten kämpfen gegen Muslime, die im Text als mleccha
bezeichnet werden. Der Begriff stammt aus vor-islamischen und bedeutet „Barbaren“,
nach der islamischen Invasion Indiens wird daraus „Einwohner Mekkas“.
In „Mekka“ – sagt das Kalachakra-Tantra
– lebt das „machtvolle, gnadenlose Idol der Barbaren, die dämonische
Inkarnation“. (Shri Kalachakra I. 154). Verstreut über den ganzen Text werden
immer wieder Verweise auf die Religion Mohammeds gemacht wie zum Beispiel
die Beschneidung der Männer, der Schleier der Frauen, die rituelle
Schlachtung von Tieren und so weiter. Buston, einer der traditionellen
Kalachakra Kommentatoren spricht vom Land Mohammeds als der Wohnstätte der
„Dämonenhorden“. (2) Ein anderer „klassischer“ Interpret, Padmini,
bezeichnet Adam, Henoch, Abraham als Dämonen, und die anderen (Jesus usw.)
als Angehörige der Schlangenfamilien. Der Mahdi wird von ihm als Emanation
Mohammeds vorgestellt. (3) Auch ein modernerer Kommentar bezeichnet
den Militanten Messias Rudra Chakrin als „Töter“ der Mlecchas. (4)
Bemerkenswert ist, dass
die Kalachakra Prophezeiungen
den apokalyptischen Krieg ebenfalls im krisengeschwängerten Mittleren Osten
inszenieren. Im Vers I. 154 ist von „Bagdad“ und „Mekka“ die
Rede, wo die Feinde der Buddhisten ein Imperium des Bösen aufbauen werden.
Die direkte Attacke gegen das Königreich Shambhala soll jedoch via
Indien geschehen, das von dem islamistischen Dämonen Krinmati besetzt ist.
„Nach den Prophezeiungen des Kalachakra-Tantra“ – heißt es in einem
modernen Kommentar – „gerät in einer kommenden Zeit während der Herrschaft
des Weltkönigs das ganze Land südlich des Kabul Flusses [Sita] unter
die Kontrolle des Mleccha Warlord Krinmati. Dieser Führer wird wie eine
blutrünstige Bestie sein, der den Frieden der ganzen Welt bedroht. Ein großer
Krieg wird im Mittleren Osten ausbrechen. Der Rex Mundi, der
Weltenherrscher wird eine riesige Armee aus 90 Millionen Reitern, aus
Vierhunderttausend Elefanten (Panzern?), aus Fünfhunderttausend fliegende
Wägen (Flugzeuge?) und einer unzählbaren Menge an Infanteriesoldaten
zusammenstellen. Diese Armee, geführt von einer Allianz aus 96 Nationen,
wird der Bestie [Krinmati] und allen ihren Anhängern ein Ende
bereiten. Danach wird die absolute Herrschaft des Rudra Chakrin über
die Erde den Anfang des Goldenen Zeitalters kennzeichnen.“ (5)
Die Prophezeiung einer
buddhistisch-islamischen Endzeitschlacht hat historische Wurzeln. Als das Kalachakra Tantra im 10. Jh. n. Chr.
verfasst wurde, waren die buddhistischen Kulturen Indiens und Zentralasiens
von den islamischen Armeen schon überrannt. Der Islam beendete sie mit
Gewalt in Baktrien, Afghanistan, Gandhara und Turkestan. Zerstört wurden
auch die berühmten buddhistischen Universitäten von Nalanda, Vikramasila,
Jagaddala und Odantapuri. Zu tausenden flüchteten die Mönche nach Nepal und
Tibet.
Da die Muslime die Lehre des Buddha nicht zu den „Religionen des
Buches“ rechneten und die Buddhisten zu den Götzenbetern zählten, standen
diese nach einer Aussage des Korans vor der Alternative, entweder zu
konvertieren oder getötet zu werden. (6) Das persische Wort but, das
„Idol“ oder „Götze“ bedeutet, soll sich von „Buddha“ ableiten. So
zeigt „der Ursprung des Wortes an, dass in der Vorstellung der Muslime der
Götzendienst gleichgesetzt wird mit der Religion des Buddha.“ – schreibt
der zum Buddhismus konvertierte Inder Babasaheb Ambedkar. (7) Seit dieser
Zeit der Verfolgung sitzt das Misstrauen der Buddha-Anhänger gegenüber dem
Islam tief. Historisch gesehen ist das Kalachakra-Tantra eine
magisch inszenierte Revanche der Buddhisten für die erlittene Niederlage.
Einigkeit besteht bei allen
Interpreten des Originaltextes darüber, dass als letzte Person aus der
monotheistischen „Familie der Schlangen“ der Mahdi (Mathani)
genannt wird. Dadurch ist die buddhistische Apokalyptik expressis verbis
mit der islamischen verknüpft, eine Verbindung, die vom Verfasser des Kalachakra-Tantra
wahrscheinlich beabsichtigt war. Der buddhistische Rudra Chakrin steht also
dem islamischen „Mahdi“ am Ende der Tage gegenüber. Beide entfesseln einen
grausamen Religionskrieg, nicht zuletzt deswegen, weil ein Teil der
Anwohner Shambhalas abtrünnig geworden und zum Islam konvertiert ist: „Eure
Söhne, Enkel und so weiter werden sich der Mleccha Religion zuwenden und
werden in allen 96 Distrikten von Shambhala und darüber hinaus zu Lehrern
der Mleccha Religion werden. Indem sie bi-simi-llah [i. e. „Im Namen
Allahs“], Mantra der Mleccha-Gottheit aussprechen, werden sie Tiere
Schlachten.“ – heißt es in einer traditionellen Textstelle. (8)
Die im Kalachakra Tantra
prophezeite Armageddon-Schlacht zwischen Buddhisten und Muslimen
widerspricht zutiefst dem pazifistischen und ökumenischen Anspruch, mit dem
der XIV. Dalai Lama das Ritual im Westen aufführt. Als Ausweg aus diesem
offenkundigen Widerspruch versucht der Kalachakra Experte Alexander Berzin
– ganz im Sinne des Zeitgeistes –
einen „islamistischen Terrorismus“ und nicht den Islam insgesamt als den
Gegenspieler des Shambhala Königs Rudra Chakrin herauszuarbeiten. Er
behauptet, dass der im Text erwähnte Mahdi der Militante Messias
einer radikalen schiitischen Minderheit (der Ismaeliten oder der
sogenannten Siebener Schia) sei. (9) Das ergebe sich aus der Geschichte,
denn in der Zeit, als das Kalachakra Tantra verfasst wurde, hätten
die Ismaeliten gegen die sunnitischen Abbasiden Herrscher in Bagdad rebelliert: „Diese Terroristen folgten
einer Religion, die sie als Islam bezeichneten, die aber in Wirklichkeit
ein Kult war, der die reinen Lehren des Korans mit vielen anderen Doktrinen,
einschließlich derjenigen der Manichäer, eine andere Religion aus dieser
Zeit, verfälschte. [...] Nach ihrer Niederlage emigrierten viele von ihnen
in das heutige Nord und Zentral-Afghanistan ...“ – meint Berzin. (10) Er
behauptet auch, dass heute noch Schiiten gebe, die umgekehrt den
Endzeitgeneral Rudra Chakrin als den islamischen Anti-Christen, als
den Dajjal, ansehen würden: „Einige schiitische Gruppen scheinen
sich dessen bewusst gewesen sein, dass der Kalki König Rudra Chakrin
von Shambhala den Mahdi besiegen wird und sie gingen in Offensive.
In späteren Jahrhunderten entstand, zum Beispiel in Baltistan
(Nordpakistan), der Glaube, dass der buddhistische Kalki Rudra Chakrin der
Betrüger Messias Dajjal sei.“ (11)
Nach Alexander Berzins Recherchen soll die Region des vorislamischen
Kabul in Afghanistan ein hohes Kult-Zentrum des Kalachakra-Tantra
gewesen sein. Später hätten dort Buddhisten und Muslime friedlich
nebeneinander ihre Religionen ausgeübt. Beweise, die Berzin hierzu anführt
wirken jedoch nicht überzeugend. Sicher ist dagegen, dass Kaschmir eine
Schlüsselrolle in der Geschichte des Kalachakra-Tantra eingenommen
hat. Hier gab im 10. Jh. n. Chr. monastische Zentren wo der Kult gelehrt
und ausgeübt wurde und von dort aus soll er im Jahre 1027 nach Tibet
gelangt sein. (12)
Die Taliban böten sich als Bezugsgruppe für die islamistischen Feinde
von Shambhala an, insbesondere da sie durch die Zerstörung der
Buddha-Statuen von Bamyan ihre anti-buddhistische Grundeinstellung zum
Ausdruck gebracht haben. Aber sie sind Sunniten, die Berzin in seinem
Artikel explizit als Gegner ausschließt. Besser eignen würde sich hier noch
die Person des radikalen Schiitenführers Muqtada al-Sadr. Er ist vertritt
eine radikale schiitische Minderheit und spielt mit seiner Mahdi-Armee
apokalyptisches Welttheater. Tatsächlich wird auf einer Website ein Bezug zwischen
al-Sadr und den Kalachakra-Prophezeiungen hergestellt. (13) Auf einer
anderen Seite werden die beiden vermutlichen wahhabitischen Drahtzieher
hinter den Kindermorden von Beslan,
Shamil Basayev und Ibn-ul-Khattab mit den Mlecchas des
Kalachakra-Tantra gelichgesetzt. (14)
Dennoch ist Berzins „islamistische
Terroristen-These“ ein kaum zu verbergender fadenscheiniger Versuch, den
aggressiven Kalachakra-Tantra-Text in ein Anti-Terror-Pamphlet umzudeuten,
was ursprünglich wohl kaum gemeint sein dürfte und was auch heute von den
meisten Lamas nicht so verstanden wird. An keiner Stelle benennt die Tantra
Prophezeiung die monotheistischen Religionen als ökumenische Partner und
nirgendwo spricht sie über ein friedliches Zusammenleben von
Kalachakra-Anhängern und islamischen Sufi-Orden im Afghanistan des 10. und
11. Jahrhunderts, speziell in Kabul, wie das Alexander Berzin behauptet.
Mehrmals betont wird dagegen das Bündnis der militanten Buddhisten mit
hinduistischen Gottheiten und indischen Heerführern, die Seite an Seite die
Endschlacht gegen die Mlecchas
(die Barbaren, bzw. Muslime, Einwohner Mekkas) führen.
Zudem wäre die Präsentation des
Kalachakra-Tantra als ein reines „Ritual für den Weltfrieden“ selbst dann
fragwürdig, wenn der Shambhala König, wie der Text bezeugt, mit extremer
„Grausamkeit“ gegen islamistische Terroristen vorgehen würde. Immerhin
lehrte der historische Buddha einen absoluten Pazifismus. Auf die
Beschönigungen, die mit dem Kalachakra-Tantra-Ritual von Seiten der Dalai
Lama Anhänger vorgenommen werden, fallen westliche Berichterstatter in
allgemeinen herein. Aber es gibt Ausnahmen davon. Schon 1986 hatte der
deutsche Journalist und Schriftsteller Tilman Spengler in der Zeitschrift
GEO anlässlich einer Kalachakra-Einweihung Bedenken gegenüber der falschen
Friedenspropaganda angemeldet: „Dabei hat der Ursprung des Kalachakra
zunächst wenig mit Frieden zu tun.“ – schrieb Spengler – „Kalachakra bedeutet
'Rad der Zeit', und so heißt auch ein machtvoller Gott der Buddhisten, dem
es um die Überwindung negativer Kräfte und die Errichtung des mythischen
Reiches Chambhala [Shambhala] ging – wozu allerdings auch die Vertreibung
der Muslime, der Erzfeinde der Buddhisten, gehörte.“ (15)
Auch wenn der Shambhala Krieg erst in drei oder vierhundert Jahren
stattfinden soll (das Christen- und das Judentum sind dann schon von der
historischen Bühne verschwunden), wirft er jetzt schon seine Schatten
voraus. So glaubt der dänische Lama Ole Nydahl, spiritueller Führer der Diamantenweg-Sekte, dass „die in den
‚Rad der Zeit Tantras’ vorausgesagten Auseinandersetzungen bereits
laufen, was sich nüchterne Beobachter von politisch-religiösen Strömungen
weltweit inzwischen gut vorstellen können.“ (16) Er spricht von
einem Krieg zwischen der „nördlichen Hemisphäre“ mit dem Islam. (17) Auch
Robert Thurman, Leiter des Tibet
House in New York, sah im Irak-Krieg einen Vorboten der buddhistischen
Apokalypse: „Und wenn die Hindus ihre Vision des Kalki, der zehnte Avatar
von Lord Vishnu, dessen Erscheinen das Ende der Welt bringt, oder wenn die
Buddhisten ihre Vision vom berühmten Krieg von Shambhala haben, so mögen
sie diese Art der Situation vorausgesehen haben. Viele Welttraditionen
haben apokalyptische Visionen schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden,
und es mag wohl die aktuelle Situation unseres Planeten sein, die
einige wirklich visionäre Menschen voraussahen.“ (18)
Als Schutz gegen die
islamischen Invasoren wurde von Ole Nydahl und dem Lama Tsechu Rinpoche am
21. Oktober 1994 ein der Kalachakra-Gottheit geweihter Stupa (ein
Sakralbau) in Spanien errichtet: „Während der Initiation“ – so Nydahl –
„füllte ich den Stupa mit meinen stärksten Wünschen auf, dass sie die
Freiheit in Europa insbesondere die Freiheit unserer Frauen schützen möge.
Karma Long ist an der Südküste des Mittelmeeres gelagert, direkt in Front
einer überbevölkerten islamischen Welt, die in Opposition zu solchen
Freiheiten steht.“ (19)
Aktuelle
Kämpfe zwischen Muslimen und Buddhisten
„Im Westen verbindet man mit
Buddhismus Friede, Mitleid, Weisheit und ökumenische Brüderlichkeit.“ –
schreibt der italienische Journalist Sandro Magister im L’Expresso -
„In beinahe allen Ländern Asiens, in denen der Buddhismus die Mehrheit
darstellt, gibt es religiöse Verfolgungen.“ (20) Führen Buddha und Allah,
wie es im Kalachakra-Tantra schon vorausgesagt wurde, schon Krieg
miteinander?
Zwei Ereignisse haben die
Taliban dazu motiviert, die Buddha Statuen von Bamyan in die Luft zu
sprengen. Einmal die Rache für die Niederlage in Kargil, wo die islamische
Armee mithilfe der tibetisch-buddhistischen Ladakh-Scouts zurückgedrängt wurde, und zweitens die Rache für
die Zerstörung der Babri Masjid Moschee in Ayodhya durch indische
Fundamentalisten im Jahre 1992. (21) Umgekehrt fordern seither Buddhisten,
die in Sri Lanka, Birma, Thailand, Nepal und anderen asiatischen Ländern
mit Muslimen in blutige Konflikte geraten sind, „Vergeltung für Bamyan“.
Ein Brennpunkt buddhistischer
Gewalt ist schon seit Jahren Sri Lanka. Cirka 70 Prozent der Einwohner sind
Buddhisten, einige davon vertreten fundamentalistische Positionen. 1959
wurde der Premierminister des Landes Solomo Bandaranaike von einem
buddhistischen Mönch ermordet. Das Attentat war nicht die Tat eines
einzelnen, sondern ein Komplott von den Mitgliedern einer Sangha
(buddhistischen Gemeinschaft). Immer wieder sind es Mönche, die gegen die
religiösen Minderheiten des Landes vorgehen. Eine Überschriftensammlung von
kritischen Presseartikel annonciert das Ausmaß des buddhistischen
Fundamentalismus, der heute auf der Insel herrscht: „Buddhistischer
Chauvinismus“ – „Buddhistischer Terrorismus“ – „Buddhistischer
Rassismus“ – „Sinhalesisch buddhistische Königreiche des Blutes“.
Gewaltsame Konflikte werden
in Sri Lanka nicht nur mit den Tamilen ausgefochten, sondern auch mit
Muslimen und Christen. 2002 griffen buddhistische Mönche zusammen mit
Mitgliedern der chauvinistischen Sinhala Urumaya Partei (SU)
islamische Gemeinden des Landes an. Die Polizei sah tatenlos zu, als Autos
in Flammen aufgingen, Häuser niedergebrannt und Geschäfte angezündet
wurden. In einer einzigen Region sollen von 500 muslimische Wohnungen 300
gewaltsam beschädigt worden sein. Ein Flugblatt der Mönche forderte:
„Schreitet vorwärts, um die Geburt eines zweiten Afghanistan zu stoppen, um
der Geburt von noch mehr bin Ladens zuvorzukommen, die unsere Buddhastatuen
zerstören wollen.“ (22)

Buddhistischen Attacken
gelten insbesondere auch den Christen der Insel, die 8 Prozent der 19
Millionen zählenden Bevölkerung ausmachen. Ihnen wird vorgeworfen, die
Nation der Sinhala Buddhisten durch Bekehrungen und durch die Korrumpierung
ihrer politischen Führer zerstören wollen zerstören wollen: Außerdem sollen
sie den charismatischen buddhistischen Mönch Soma Thera ermordet zu haben
als sich dieser auf einer Vortragsreise in Moskau aufhielt. Thera agierte
als Scharfmacher gegen die evangelikalen Missionare. Er war auf einem im
ganzen Land verbreiteten Plakat zu sehen, wie er umgeben von
Militäroffizieren gegen die „teuflische Verschwörung christlicher Mächte“
protestiert. (23) Die Geschichte von seiner Ermordung durch die Christen
klingt absurd, aber sie hat dazu geführt, dass zahlreiche christliche
Kirchen des Landes von den Buddhisten zerstört wurden.
Fundamentalistisch
eingestellte Mönche streben in Sri Lanka einen direkten Einfluss auf die
Staatspolitik an. Ihr Fernziel ist die Errichtung eines sakralen
buddhistischen Königreiches, einer „Buddhokratie“ (Dhamma Kingdom oder Dhamma
Rajya), wie es sie schon vor Jahrhunderten gegeben hat. Der Legende
nach besuchte der historische Buddha das Land dreimal. Das reicht
offensichtlich für eine große Zahl von Gläubigen hin, sich als „Buddhas
auserwähltes Volk“ und Sri Lanka als terra sancta, als heiliges Land
des Buddhismus, zu deklarieren: „Rom ist den Katholiken heilig, so wie
Jerusalem den Juden und Mekka den Muslimen. Das winzige Land im indischen
Ozean [...] wo die Sinhalesen seit über 25 Jahrhunderten leben [...] ist
das geheiligte Land der Sinhala Buddhisten.“ – schreibt ein Sinhalese, um
gegen die Einrichtung einer halbautonomen Tamilenprovinz im Norden der
Insel zu protestieren. (24)
2004 bewarben sich
buddhistische Mönche für die Parlamentswahlen. Alutgama Dammananda Thera,
Abt des Malwatte Kapitels, findet das sehr in Ordnung: „Da gibt es
Beispiele aus der Geschichte, die zeigen, wie sich Mönche ganz vorne an die
Spitze gestellt haben, um das Land zu regieren. Anstelle sie zu
kritisieren, sollten wir diesen Mönchen die Hand reichen, um mit ihnen ein
Dhamma Königreich zu errichten.“ (25) Ven. Galagama Dhammarasini, ein
gemäßigter Mönch, dagegen kommentiert das politische Engagement seiner
Glaubensbrüder mit den folgenden Worten: „Wenn sie gewählt werden, dann
besteht tatsächlich die Gefahr, dass unser Land eine andere Version des
Irans wird.“ (26)
Auch in verschiedenen Städten
Myanmars (Birma), das seit 1962 von einer Militär Junta regiert wird,
attackieren radikalisierte buddhistische Mönche Minderheiten islamischen
Glaubens mit Unterstützung der Armee. „Die Muslime sind für fast alle
Verbrechen in Myanmar verantwortlich: Opium, Diebstahl Raub. Sie wollen den
Buddhastatuen die Köpfe abschlagen, so wie sie es in Afghanistan getan
haben.“ – erklärte Win Rathu, ein hochrangiger buddhistischer Kleriker, dem
seine führende Rolle in der anti-Muslim Bewegung den Namen „der kämpfende
Mönch“ eingebracht hat. (27)
In der Stadt Taungoo (Birma)
forderten buddhistische Mönche als Rache für die Sprengung der
Buddha-Statuen in Bamyan die Zerstörung der alten Hantha Moschee. 2001 kam
es zu blutigen Zusammenstössen, bei denen neun Muslime einschließlich drei
Kinder getötet wurden. (28) Im gleichen Jahr brachen in der Stadt Sittwe
Straßenschlachten zwischen buddhistischen Mönchen, die mit „Messern,
Stöcken, Schwertern und Gewehren“ bewaffnet waren und den einheimischen
Muslimen auf. Diese wurden vom lokalen Imam durch Lautsprecher zum Djihad
angefeuert, um Frauen und Kinder zu schützen. Es kam zu Verwüstungen von
zahlreichen Moscheen. Die Buddhisten brannten Wohnhäuser und
Geschäftslokale von Muslimen wieder, während Polizei und Feuerwehr zuerst
tatenlos zuschauten bevor sie eingriffen. Als sich die Muslime dann
offiziell beschwerten, sagte ihnen ein Regierungsbeamter: „In Afghanistan
haben die Taliban unseren Lord Buddha zerstört, deswegen zerstören wie hier
eure Moscheen.“ (29)
Auch Christen werden in
Myanmar verfolgt. Der Staat konfiszierte katholische Schulen wurden,
Christen dürfen keine öffentlichen Ämter ausüben, Kreuze wurden in einigen
Regionen durch Pagoden ersetzt, Christen wurden zur Zwangsarbeit für die
Armee eingezogen. Der Verkauf der Bibel ist verboten. Christliche Kinder
sollen zur Ausbildung in buddhistischen Klöstern rekrutiert worden sein.
Viele Christen haben das Land verlassen und leben in Flüchtlingslagern in
Thailand und Indien. (30)
In Süd-Thailand steht einer
radikalisierten muslimischen Minderheit die buddhistische Armee des Königs
gegenüber. Bevorzugte Angriffsziele islamistischer Djihadisten sind
buddhistische Mönche, von denen schon einige niedergeschossen oder
niedergestochen wurden. Im April 2004 kam es zu dem bisher größten Zusammenstoss.
Über Hundert muslimische Aufständische fanden den Tod. Die Liquidierung von
32 spärlich bewaffneten Muslimen in der historischen Krue Se Moschee machte
internationale Beobachter auf die exzessive Gewalt und Brutalität
aufmerksam, mit der das thailändische Militär in diesem religiösen Konflikt
vorgeht. (31)
In Kambodscha griffen im Juli
2003 ca. 100 Buddhisten während der Sonntagsmesse eine Kirche in Kok Pring
an, weil sie die Christen für die seit drei Jahren andauernde Dürre
verantwortlich machten. Verfolgt werden dort auch die so genannten
Montagnard Christen, die aus Vietnam über die Grenze fliehen und von den
kambodschanischen Behören aufgefangen und zurückgeschickt werden. In
Vietnam warten auf sie drastische Unterdrückungsmaßnahmen. Ebenfalls gibt
es in Buthan und Laos eine buddhistische Repression gegen Christen und
Muslime. (32) Auf die muslimisch-buddhistischen Konflikte in den indischen
Grenzgebieten sind wir schon eingegangen.
Diese Gewaltszenarien
zwischen Buddhisten und Anhängern des Monotheismus mögen angesichts der
Ereignisse im Mittleren Osten als peripher erscheinen. Doch auch sie tragen
„apokalyptische Keime“ in sich, die sich zu einer extremen Radikalität
auswachsen können. Tatsächlich hat sich eine aus dem tibetischen Buddhismus
inspirierte Apokalyptik schon in einem Fall Zugang zur politischen
Wirklichkeit verschafft. Sie hat sogar die bisher extremste Ideologie des
apokalyptischen Terrorismus hervorgebracht, der (käme er zur Ausführung)
die Dimensionen des religiösen Terrorismus bei weitem überschreiten
würde. Wir sprechen von dem Fall
Shoko Asahara, den wir am Ende unserer Serie darstellen.
© Victor und
Victoria Trimondi
Gesamtübersicht
Nächstes Kapitel (4)
Gewalt,
Töten und gerechte Kriege im Buddhismus
Vorangegangenes Kapitel (2)
Der
Armageddon-Krieg des Kalachakra-Tantra
Die englische
Version des Buches “Der Schatten des Dalai Lama“ finden Sie unter:
The
Shadow of the Dalai Lama – Sexuality, Magic and Politics in Tibetan
Buddhism
Empfehlung abschicken
Die Verlinkungen in den Fußnoten wurden das letzte mal 2006
überprüft:
(4)
Biswanath Banerjee - Über das Lokadhatu Patala - I. Kapitel des
Laghu-Kalacakra-Tantra-Raja - München 1959, 52
Empfehlung abschicken
|