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Obgleich der folgende Artikel aus der FAZ den „religiösen Aspekt“ der Hitlerverehrung in Indien außer Acht lässt, zeigt er, wie hochaktuell das Thema ist, das wir in „Hitler-Buddha-Krishna“ behandeln. Es sind nicht nur Rechtsradikale, die bei ihrer Ideologiebildung auf östliche Lehren zurückgreifen, sondern auch umgekehrt: Bis heute werden Hitler und der Nationalsozialismus in Ländern des Ostens als westliche „Kulturgüter“ importiert.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung – 17. Dez. 2002

 

Machtmensch

Warum Hitler bis heute in Indien verehrt wird

 

Santiniketan, im Dezember

 

Sechs von zehn Studenten nennen den Namen Adolf Hitler, wenn sie gefragt werden, welchen Menschen sie am meisten bewundern. Das ergab vor kurzem eine Umfrage im St. Stephen’s College in Neu-Delhi, einem der Elite Colleges Indiens. Der Diktator habe seinem Volk nach der Demütigung durch den Versailler Vertrag Selbstachtung gegeben, lautet die häufigste Begründung  der Studenten für Ihre Wahl.

 

Die Hitler-Verehrung, die bis in hochgebildete Kreise reicht, ist ein indisches Phänomen, das viele deutsche Besucher seit jeher verwundert und erschreckt. Die indischen Gesprächspartner sind ihrerseits betroffen, dass Deutsche den von ihnen als Held empfundenen Mann herabsetzen.

 

Wie kommt es zu dieser merkwürdigen Hitler-Verehrung? Indem er die Kolonialmacht England angriff, verhalf Hitler Indien indirekt zur Unabhängigkeit im Jahre 1947. Das vom Krieg geschwächte England konnte Indien nicht mehr halten. Dieser Aspekt der Geschichte blendet bis heute alle anderen aus: den Holocaust, die Kriegsleiden des gesamten Kontinents, die Ermordung des jüdischen Volks, das in Indien übrigens stets ehrenwert behandelt worden ist. Deutschland ist zu weit weg, seine Geschichte allzu isoliert von der indischen, als dass selbst die gebildete Schicht Indiens dieses Gesamtbild der Taten Hitlers gerecht wertend in den Blick bekäme. So konnte es etwa geschehen, dass man 1997 eine Hitlerstatue in der Nähe von Darjeeling aufstellen wollte oder dass 1999 mehrfach die ganzseitige Annonce einer Technologiefirma mit einem Baby in Hitleruniform erschien. Die Überschrift lautete: „Born to Rule“. So wird auch einem populären rechtsradikalen Politiker in Bombay nicht energisch widersprochen, wenn er immer wieder seiner Bewunderung für  Hitler Ausdruck verleiht.

 

Der schmerzlich empfundene eigene Mangel an nationaler Selbstachtung gibt der Hitler-Verehrung eine psychologische Richtung. Die immer noch stark hierarchisch aufgebaute Gesellschaft sucht nach „Gurus“, auch nach Machtmenschen, die dem Volke jene Selbstachtung, welche sie durch fortgesetzte Armut, ständige soziale Konflikte und Probleme und durch die Bevormundung  des Auslandes verlieren. Praful Bidwai, der sich in der „Hindustan Times“ entsetzt von den Umfrageergebnissen zeigt, sieht darin eine Verbindung zu der nationalen indischen Erziehung, die Nationalstolz und Nationalismus überbetonen. Vor allem die gegenwärtige rechtsgerichtete Koalitionsregierung versuche, diesen Stolz aufzuputschen und in Aktionsprogrammen – etwa gegen Minoritäten – zu kanalisieren.

 

© MARTIN  KÄMPCHEN


Die Deutschen als Vollstrecker der Bhagavadgita ?

 

Dass die im SS-Ahnenerbe kultivierte Pflege einer arischen Indologie im Neofaschismus weiterverfolgt wird und zwar keineswegs nur „okkultistisch“, sondern ebenfalls  „religionswissenschaftlich“ zeigt ein hier vorliegender Aufsatz von Gehard Ittner (vom 9. Nov. 2000) über die Bhagavadgita. Ittner, engagierter Neo-Nazi, der mehrere Semester Sanskrit studiert hat, sieht in dem indischen Kriegsgedicht ein arisches Kulturdokument.

 

Der indische Dharma-Begriff wird von ihm als rassistisches Wertesystem gegenüber der „Judenreligion“ herausgestellt: „Dharma ist der Zentralbegriff der arischen Philosophie, welche die Materie geistig durchdringt und erhöht, ohne sie zu negieren oder gering zuschätzen. Gerade darin unterscheidet sie sich von der primitiv materialistischen, geistlos erbärmlichen Judenreligion, welche unter Einsatz von verschlagener, hinterhältiger Tücke und List  allein auf Ausbeutung der Erde und gierigen Profit aus ist, zu welchem Zwecke sie sich in erster Linie des Völkermordes bedient.“ (Zitat) Um die arische Herkunft Christi zu herauszuarbeiten, wird dieser als Dharma-Anhänger dargestellt: „Da Jesus Christus die Juden so als Erzfeind des dharma zu erkennen glaubte, sie offen durchschaute und ihnen die Maske herunterriss, ließen diese ihn umbringen.“ – Auch das wurde schon unter im Dritten Reich behauptet. Es nun folgenden Darlegungen machen die Juden zu den eigentlichen Urhebern des Völkermordes und leugnen den Holocaust.

 

Gegenüber dieser jüdischen „Verbrecherwelt“ steht das erbarmungslose Kriegerethos, das Krishna den Feldherrn Arjuna in der Bhagavadgita lehrt. Ittner stellt nun die archaische Krieger-Ideologie des indischen Gedichtes mit mehreren martialischen Zitaten vor. Die Haltung, welche der Arier als „Handelnder“ einzunehmen habe, drücke am besten Gita 2:38 aus: „Rüste dich zum Kampfe indem dir Freude und Leid, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleichviel für deine Seele geworden sind und stürze dich in die Schlacht. So wirst du nicht in Schuld geraten.“ Wie Wüst, Hauer und andere in den 30er und 40er Jahren glaubt Ittner heute, dass die Deutschen die auserwählten Erben der altindischen Kriegertradition seien: „In keinem modernen Volk verkörpert sich (wenn auch seit dem 8. Mai 1945 vorübergehend verdunkelt)  jener in der Bhagavadgita geforderte arische Geist des Handelns so sehr wie im deutschen, das vor allen anderen die Fähigkeit besitzt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun, wenn es die Pflicht dem dharma gegenüber gebietet. - Der Schutz des dharma ist die Pflicht des arischen Kriegers.“ – Das ist durchaus dieselbe Position, die auch im SS-Ahnenerbe vertreten wurde. Gerhard Ittner diskutiert über diese Fragen mit Horst Mahler. Beide haben die NPD verlassen, weil sie ihnen nicht radikal genug ist.

 

Ganz im Gegensatz zu anderen rechtsradikalen Indologen erklärt Ittner den Buddhismus zu einer Verfallsform der arischen Urreligion: „Vor allem aber entfernt sich gerade mit dem Buddhismus der vedische Genius von der arischen Bindung zur weltzugewandten und  entschlossenen Tat (karma)“. Auf die Buddhismus-Debatte in der SS sind wir in unserem Buch „Hitler-Buddha-Krishna“ ausführlich eingegangen und wir konnten zeigen, dass Walther Wüst (Kurator des SS-Ahnenerbe), der Indologe Jakob Wilhelm Hauer und der NS-Rassenpapst Hans Friedrich Karl Günther aber vor allem auch Heinrich Himmler den Buddhismus als arisches Urerbe interpretierten und in ihre Ideen von einer rassistischen Religionskonstruktion miteinbezogen.

 

 

 

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